Gott ist anders. - Was Macht ist, weiß wohl ein Jeder - Einfluss ausüben, die Möglichkeit haben, über andere entscheiden zu können, der Stärkere sein, was durchsetzen können - wenn nötig auch mit Gewalt.
Vor 2-3 Jahren war ich in Budapest. Ich bin da auch auf so einen Berg gekommen, da konnte man noch so verschiedene Heldendenkmäler des früheren Regimes besichtigen; die Heldenpose ist ja überall gleich, Kopf hoch, die Brust heraus, stramm dastehend: ein Symbol der Unbesiegbarkeit.
Und die Christen - was ist das Symbol ihres Glaubens? Eine seltsame Heldenpose: da hängt er, nackt, wehrlos, ausgeliefert, verlassen;
Was für ein Unterschied: da die Heldenpose des Unbesiegbaren, dort ein Gekreuzigter, einer der
offenbar gescheitert ist; das soll der Herr der Welt sein?
Gott ist anders; "Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen dieser Welt. Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt seine eigene Wehrlosigkeit gegenüber; die Macht Gottes ist die Macht, die immer wieder verliert; zuerst am Kreuz und dann auch in der Geschichte immer wieder" (B16). Die Macht Gottes ist auch anders, als wir ihm vielleicht vorschreiben möchten. Gott hat Jesus nicht 12 Divisionen Engel vorbei geschickt, damit sie ihn vom Kreuz herunter holen, nein, er hat ihn da oben kläglich zugrunde gehen lassen.
Gott ist anders. Ein wahrlich seltsamer Gott, den die Christen da
haben.
Andererseits, wenn ich mir die Weltgeschichte anschaue: die großen Regime mit ihren imposanten Heldendenkmälern sind längst hinweg gefegt, ihre Anziehungskraft haben sie verloren. Der gekreuzigte
Herr der Welt zieht immer noch die Menschen in seinen Bann. Vielleicht ist ja doch die Dummheit Gottes klüger als die Weisheit dieser Welt.
Ja, Gott ist anders. "Was von außen her brutale Gewalt ist – die Kreuzigung –, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt, ganz und gar. Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlssaal geschehen ist und die wir in jeder Messe feiern; diese Verwandlung war dazu bestimmt, einen Prozeß der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt ist" (B16).
Wandlung. Und davon bin ich jetzt wirklich felsenfest überzeugt; dass im Innersten ihres Herzens alle Menschen immer schon irgendwie auf so eine Veränderung und Verwandlung der Welt
warten. Dies nun ist der zentrale
Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann:
Gewalt wird in Liebe umgewandelt und der Tod in Leben. Gewalt und Tod sind verwundet und können nicht mehr das letzte Wort sein, sondern sind von innen her überwunden. Das ist
sozusagen die Kernspaltung im Innersten der
Welt, im Innersten des Lebens – der Sieg der Liebe über den
Hass, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, die das Böse überwindet, wird dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt.
"Mit diesem Glauben werden wir fähig
sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung
zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, die schrillen Missklänge in unserer Welt in eine wunderbare Symphonie der Geschwisterlichkeit zu verwandeln" (ML King).
Sich von Gott verwandeln lassen. Wer die Absicht hat, sich und sein Leben von dieser Liebe Gottes, die alles besiegt, verwandeln zu lassen, kann das ja im Gottesdienst kundtun, indem er zur Kommunion geht und so Anteil erhält an der Verwandlungstat des gekreuzigten Herrn; um keine falschen Hoffnungen zu wecken: das Kreuz und der Schmerz werden ihm vielleicht nicht erspart bleiben, aber sein Leben wird zur Hoffnung und zum Licht für Andere.
Und eine Leuchtspur der Liebe hinterlassen. Und das ist es ja, worauf es im
letzten ankommt; das wird ja auch im
Evangelium vom Weltgericht (Mt 25) ganz deutlich. Was ihr dem
Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan ...
Er – die gekreuzigte Liebe - wird uns am Ende unserer Tage nicht danach beurteilen, wie erfolgreich wir waren, wieviele Reichtümer wir angehäuft haben, wie schön, wie berühmt und angesehen wir
waren, sondern nach der Leuchtspur der Liebe, die wir in unserem Leben hinterlassen haben.
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