Monday, 17. november 2008 1 17 /11 /Nov. /2008 10:12

Gott ist anders. - Was Macht ist, weiß wohl ein Jeder - Einfluss ausüben, die Möglichkeit haben, über andere entscheiden zu können, der Stärkere sein, was durchsetzen können - wenn nötig auch mit Gewalt.

Vor 2-3 Jahren war ich in Budapest. Ich bin da auch auf so einen Berg gekommen, da konnte man noch so verschiedene Heldendenkmäler des früheren Regimes besichtigen; die Heldenpose ist ja überall gleich, Kopf hoch, die Brust heraus, stramm dastehend: ein Symbol der Unbesiegbarkeit.

Und die Christen - was ist das Symbol ihres Glaubens? Eine seltsame Heldenpose: da hängt er, nackt, wehrlos, ausgeliefert, verlassen;
Was für ein
Unterschied: da die Heldenpose des Unbesiegbaren, dort ein Gekreuzigter, einer der offenbar gescheitert ist; das soll der Herr der Welt sein?


Gott ist anders; "Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen dieser Welt. Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt seine eigene Wehrlosigkeit gegenüber; die Macht Gottes ist die Macht, die immer wieder verliert; zuerst am Kreuz und dann auch in der Geschichte immer wieder" (B16). Die Macht Gottes ist auch anders, als wir ihm vielleicht vorschreiben möchten. Gott hat Jesus nicht 12 Divisionen Engel vorbei geschickt, damit sie ihn vom Kreuz herunter holen, nein, er hat ihn da oben kläglich zugrunde gehen lassen.


Gott ist anders. Ein wahrlich seltsamer Gott, den die Christen da haben.
Andererseits, wenn ich mir die Weltgeschichte anschaue: die großen Regime mit ihren imposanten Heldendenkmälern sind längst hinweg gefegt, ihre Anziehungskraft haben sie verloren. Der gekreuzigte Herr der Welt zieht immer noch die Menschen in seinen Bann. Vielleicht ist ja doch die Dummheit Gottes klüger als die Weisheit dieser Welt.


Ja, Gott ist anders. "Was von außen her brutale Gewalt ist – die Kreuzigung –, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt, ganz und gar. Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlssaal geschehen ist und die wir in jeder Messe feiern; diese Verwandlung war dazu bestimmt, einen Prozeß der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt ist" (B16).


Wandlung. Und davon bin ich jetzt wirklich felsenfest überzeugt; dass im Innersten ihres Herzens alle Menschen immer schon irgendwie auf so eine Veränderung und Verwandlung der Welt warten. Dies nun ist
der zentrale Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird in Liebe umgewandelt und der Tod in Leben. Gewalt und Tod sind verwundet und können nicht mehr das letzte Wort sein, sondern sind von innen her überwunden. Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten der Welt, im Innersten des Lebens – der Sieg der Liebe über den Hass, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, die das Böse überwindet, wird dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. "Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, die schrillen Missklänge in unserer Welt in eine wunderbare Symphonie der Geschwisterlichkeit zu verwandeln" (ML King).


Sich von Gott verwandeln lassen. Wer die Absicht hat, sich und sein Leben von dieser Liebe Gottes, die alles besiegt, verwandeln zu lassen, kann das ja im Gottesdienst kundtun, indem er zur Kommunion geht und so Anteil erhält an der Verwandlungstat des gekreuzigten Herrn; um keine falschen Hoffnungen zu wecken: das Kreuz und der Schmerz werden ihm vielleicht nicht erspart bleiben, aber sein Leben wird zur Hoffnung und zum Licht für Andere.


Und eine Leuchtspur der Liebe hinterlassen. Und das ist es ja, worauf es im letzten ankommt; das wird ja auch im Evangelium vom Weltgericht (Mt 25) ganz deutlich. Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan ...
Er – die gekreuzigte Liebe - wird uns am Ende unserer Tage nicht danach beurteilen, wie erfolgreich wir waren, wieviele Reichtümer wir angehäuft haben, wie schön, wie berühmt und angesehen wir waren, sondern nach der Leuchtspur der Liebe, die wir in unserem Leben hinterlassen haben.

von rho - veröffentlicht in: Gott - Community: gott und die welt
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Monday, 17. november 2008 1 17 /11 /Nov. /2008 10:10
1. Montgomery in Alabama, USA, 01. Dezember 1955

Die schwarze Näherin Rosa Parks fährt mit dem Autobus. Ein weißer Fahrgast verlangt von ihr, dass sie ihm ihren Sitzplatz abtritt. Sie weigert sich aufzustehen. Der Busfahrer lässt die Polizei holen, Rosa Parks wird verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein kleiner Zwischenfall – aber mit weitreichenden Folgen. Es ist der eigentliche Startschuss für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King, mit dem Ziel, die Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA zu erreichen. "I have a dream", das sind die weltberühmt gewordenen Worte Martin Luther Kings. Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Geschwisterlichkeit sitzen können.
53 Jahre später: 04.
November 2008; Barack Obama wird als erster Afroamerikaner, als erster Farbiger zum Präsidenten der Vereingten Staaten gewählt. Ohne Martin Luther King und die von ihm angeführte Bürgerrechtsbewegung wäre die fast unglaubliche Entwicklung dieser 53 Jahre ganz sicher nicht möglich gewesen. Grund genug, an Martin Luther King, eine der Lichtgestalten des vergangenen 20. Jahrhunderts zu erinnern.


2. Du darfst dich nie geringer fühlen als andere!

Das wurde dem kleinen Martin Luther King von seinen Eltern eingeschärft, als er mit den damals üblichen demütigenden Rassendiskriminierungen konfrontiert wurde. Das furchtbare Erbe der Sklaverei war in den Gesetzen und im alltäglichen Leben überall spürbar. Der kleine Martin hat sehr unter der Rassentrennung gelitten, dass zb. Schwarze eigene Toiletten benutzen mussten. An sich ist er ja in einer wohlbehüteten Familie aufgewachsen und groß geworden. Sein Vater und sein Großvater waren schon Pfarrer in baptistischen evangelischen Gemeinden und die Liebe zu Gott und den Menschen hat in der Familie immer eine große Rolle gespielt. Und so ist der heranwachsende Martin Luther King immer wieder an die Christenpflicht erinnert, den Unterdrückern mit Liebe zu begegnen. Das hat aber nicht bedeutet, sich mit der Unterdrückung abzufinden. Er hat in Wort und Tat immer wieder gegen die Diskriminierung Stellung genommen und zum Beispiel den Kampf zur Beseitigung separater Aufzüge im Gericht angeführt. Aber bei allem Eintreten für Gerechtigkeit war ein Grundsatz immer klar: Du darfst nie so tief sinken, irgend jemanden zu hassen.


3. Manchmal hört man etwas, und das trifft einen wie der Blitz.

Bei Martin Luther Kin g war es eine Predigt über Mahatma Gandhi, die ihn vollkommen elektrisiert und gefesselt hat. Die Entdeckung des indischen Freiheitshelden war für ihn das Schlüsselerlebnis seines Lebens. Im gewaltlosen Widerstand Gandhis hat er den Weg gefunden, wie eine Ethik, die auf dem Liebesgebot Jesu gründet, Missstände beseitigen und die Gesellschaft positiv verändern kann. Das war kein passives Sich-hineinfügen, sondern ziviler Ungehorsam durch Nicht-Befolgen ungerechter Gesetze. Mehr als nur einmal hatte Martin Luther King Gelegenheit, seine gewaltlose Gesinnung unter Beweis zu stellen. Einmal wurde er während einer Kundgebung davon in Kenntnis gesetzt, dass sein Haus durch eine Bombe schwer beschädigt worden ist. Die aufgebrachte Menschenmenge forderte Rache. Doch Martin Luther King ergriff das Wort und rief die Menge auf, Böses nicht mit Bösem zu vergelten und dem Hass mit Liebe zu begegnen. Er sagte: "Wir müssen der Gewalt mit Gewaltlosigkeit begegnen und unsere weißen Brüder und Schwestern lieben, was immer sie uns antun. Jesus ruft uns über die Jahrhunderte hinweg auch heute zu: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. Das müssen wir tun: Hass mit Liebe vergelten.


4. I have a dream -

Diese wohl berühmtesten Worte von Martin Luther King sind 1963 bei einer Rede in Washington vor 250.000 Zuhörern gefallen:
Ich habe einen Traum: dass eines Tages auf den Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Geschwisterlichkeit sitzen werden. Ich habe einen Traum, dass eines Tages selbst Mississippi, das in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet, sich in eine Oase der Freiheit und Gerechtigkeit verwandeln wird. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt. Ja, ich habe einen Traum heute! Dass eines Tages jedes Tal aufgefüllt und jeder Berg abgetragen wird - und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden und alle Menschen werden es schauen. Das ist unsere Hoffnung und mit diesem Glauben werde ich zurück kehren.
Mit diesem Glauben werde ich fähig sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, die schrillen Missklänge in unserem Land in eine wunderbare Symphonie der Geschwisterlichkeit zu verwandeln.



5. Die mit dem biblischen Glauben verschmolzene Philosophie Gandhis

wurde zum tragenden Fundament der Bürgerrechtsbewegung. Ob beim Bus-Boykott oder bei den verschiedenen Sit-Ins - bei denen sich Schwarze in Restaurants gesetzt haben, die Weißen vorbehalten waren, immer wurde darauf geachtet, dass sich das Vorgehen am Ideal der Gewaltlosigkeit ausrichtet. Martin Luther King war mit Gandhi davon überzeugt, dass ein Mensch, der sich dem Dienst an der Wahrheit verschrieben hat, auch dann voranschreitet, wenn er leiden muss; denn er weiß, dass der weite Bogen des Universums sich irgendwann der Gerechtigkeit zuneigen wird. Bis 1964 vom Obersten Gerichtshof alle Rassengesetze aufgehoben wurden, wurde Martin Luther King mehr als 30 mal verhaftet und eingesperrt. Man hat ihm vorgeworfen, er sei ein Extremist. In einem berühmt gewordenen Brief aus dem Gefängnis hat er darauf geantwortet: "Wir haben die Wahrheit erkannt, dass alle Menschen gleich sind, vom Augenblick ihrer Erschaffung an. Die Frage ist also nicht, ob wir Extremisten sein wollen, sondern vielmehr, Extremisten welcher Art. Extremisten für die Fortdauer der Ungerechtigkeit oder für die Ausbreitung der Gerechtigkeit. Wollen wir Extremisten des Hasses sein oder der Liebe?

6. "Nur im Dunkeln sieht man die Sterne",
sagte Martin Luther King in seiner letzten Ansprache am Vorabend seines Todes, vielleicht schon in einer gewissen Todesahnung. Und weiter: "schwierige Tage liegen vor uns. Aber das macht mir jetzt wirklich nichts aus. Ich mache mir keine Sorgen. Natürlich möchte ich wie jeder andere gern lange leben. Aber darum bin ich jetzt nicht besorgt. Ich möchte nur Gottes Willen tun. Und ich habe hinüber gesehen ins Gelobte Land. Vielleicht gelange ich selbst nicht mehr mit euch dorthin. Aber wir werden als ein Volk dorthin gelangen. Und deshalb bin ich heute glücklich".
Am Tag darauf wurde Martin Luther King auf dem Balkon eines Hotels stehend erschossen. Er hat schon früher viele Morddrohungen erhalten und musste damit rechnen, dass das passieren kann. Und so hat er wenige Monate vor seinem Tod Anordnungen für sein Begräbnis verfasst: Ich möchte, dass jemand an diesem Tag sagt: Martin Luther King hat versucht, mit seinem Leben anderen zu dienen.
Er
hatte in seinem Leben eine große Vision, er hatte eine Ahnung von der umfassenden Versöhnung, zu der Gott alle Menschen berufen hat. Und für diesen Traum hat er sein Leben gegeben. Es ist der Traum Gottes selber.


7. Die eine Menschheitsfamilie,
in der wir alle einander als Brüder und Schwestern die Hände reichen, weil Gott der Vater aller ist. Alle sind nach seinem Ebenbild erschaffen und in einem gemeinsamen Schicksal miteinander verbunden - das war das große Ideal, für das Martin Luther King gearbeitet und gelebt hat und für das er schließlich gestorben ist. In seinen letzten Lebensjahren weitete sich sein Engagement immer mehr auf alle Menschen hin, auf das "Welthaus", wie er es nannte.
"Was wir brauchen", so sagt er, "ist eine Demokratie, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst ist. Dazu bedarf es eines unablässigen Kampfes gegen Rassismus, Materialismus und Militarismus, sowie eines mutigen Einsatzes für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit - und zwar nicht nur für uns allein, sondern für die ganze Menschheitsfamilie".
Für Martin Luther King war die Liebe im biblischen Sinn dabei der einzige Schlüssel, um dieses Ziel zu erreichen. Er bezieht sich damit auf den ersten Johannesbrief, in dem es heißt: "Wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm".








von -rho - veröffentlicht in: Geschwisterlichkeit - Community: Christ sein
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